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Kuvasz

 

 

So sieht der Dichter Kosztolányi Dezső (1885-1936) den ungarischen Kuvasz:

 

 

So definiert ihn der Humorist:

 

Aus dem Buch:
„Winkler Róbert: Kutyaszorító – der lustigste Hundeführer der Welt“
(Tericum Verlag)
Winkler Róbert: Kuvasz
Der Strauchdiebterminator
Nach gewissen Annahmen kam er mit den Kumanen nach Ungarn, andere vermuten widerum, dass er bereits neben dem Fürsten Árpád die Zähne gefletscht hat. Die ungarischen Fachkreise betrachten ihn einstimmig als Nationalschatz, aber wir sollten nicht übertreiben, es gibt durchaus noch weitere verblüffend ähnliche große weiße Rassen wie Slowensky Cucac und Pyräneär Berghund. Das Tätigkeitsprofil des Kuvasz` ist ähnlich wie das des Komondors: anfangs fungierte er als Herdenschutzhund, später als vierbeiniges Sicherheitssystem der Einzelgehöfte. Im Vegleich zum Komondor etablierte sich der Kuvasz als Familienhund der städtischen Einfamilienhäuser.

Das liegt vermutlich darin begründet, dass der regennasse Komondor stinkt, während das durch Regen getränkte Kuvaszfell lediglich einen soliden Hundegeruch ausströmt. Schließlich ist es nicht unerheblich, welche dieser beiden Alternativen uns hochspringend überschwänglich begrüßt, wenn wir die tägliche Tretmühle hinter uns lassend am Abend vor der Haustür stehen. Er ist ein hervorragender Wach- und Schutzhund, und nimmt als solcher unsere Ängste vor Eindringlingen auf eine beruhigende Art und Weise. Vor Hundert Jahren mag noch der Schäfer den von Kuvasz erlegten neugierigen Volksliedsammler noch verbuddelt haben, was im Falle der heutigen Hausierer nicht mehr zu empfehlen ist. Der Wanderschäfer passte besser zu ihm, da er die Telefonnummer des Hundepsychologen verschlampt und dem Hund mit seinem Schäferstock eins übergebraten hat, wenn er ein Zeichen der Ungehorsamkeit verzeichnet hat. Für den Kuvasz war dies viel leichter zu verstehen, als die wissenschaftliche Haarspalterei. Er verlangt nach einem strengen, autokratischen Hundeführer. Die Rüden versuchen - zumindest einmal in ihrem Leben – die Regentschaft zu übernehmen, in diesem Fall muss man es entschlossen unterbinden. Nicht so wie ein Versager, der den Hund erschießen läßt, mit der Begründung, der Hund sei verrückt geworden. Am besten nimmt man einen Knüppel, eine mittelschwere Verletzung ist dabei billig in den Kauf zu nehmen. Wenn der Hund die Legitimations- und verfassungsrechtlichen Zusammenhänge begriffen hat, wird er keine Probleme mehr machen. Trotz seines mürrischen Gemüts ist er ziemlich schlau, mag aber nicht herumkommandiert zu werden, wie ein Polizeihund. Erstaunlicherweise liebt er Kinder sehr, und spielt mit ihnen vergnügt, obwohl man sich bei einem Kuvasz nie sicher sein kann, schließlich gibt es zahlreiche Horrorgeschichten von Kuvaszok nach dem Motto: „vorher hat er noch nie etwas getan, aber dann aus heiterem Himmel...“. Worauf die plötzlichen und unerwarteten Bisse zurückzuführen sind, bleibt unbeantwortet. Wir können nur vermuten, dass der Kuvasz auf seine unbehobene Art auf kleinste, für uns nicht vernehmbare Regungen reagiert. Wir tun gut daran, ihn nicht als Schoßhündchen zu halten, sondern ihn dafür einzusetzen, wofür diese Rasse auch steht: Er eignet sich bestens für die Bewachung verlassener Grundstücke und Häuser in gefährlichen Gegenden. Dem Kuvasz ist sein Revier wichtiger, als jedes Verwöhnprogramm. Er schätzt es mehr, wenn sein Besitzer ihm mit drei Schritten Abstand begegnet, als wenn er ständig die Ohren gekrault bekommt. Wenn der Besitzer mit seinem Hund nicht fertig wird, kettet er ihn an. In dem Moment wird der Kuvasz tatsächlich verrückt, denn er möchte arbeiten, das Haus bewachen, den Fußgängern hinterher bellen, aber an der Kette erscheint ihm sein Leben ziellos zu sein. In so einer Situation schnappt er sogar nach der ihn fütternden Besitzerhand. Schließlich verlangt der Kuvasz nach einem ganzen Kerl.

 

Und das ist die Vision eines Züchters:

 

Kovács Imre:
VERGANGENHEIT, GEGENWART UND ZUKUNFT DES KUVASZ

(Übersetzung: Andrea Krebs)

1.    Aus der ungarischen Urheimat in das Karpatenbecken

Der Hund gehört zu den ersten domestizierten Tieren, der die urtümlichen Eigenschaften des Wolfes immer mehr aufgegeben hatte und während der Jahrtausende ein treuer Gefährte des Menschen wurde. Die Urungarn hatten sicherlich auch Hunde, sowohl große als auch kleine und vom unterschiedlichen Charakter. Man tappt im Dunkeln, was die Abstammung des Kuvasz` angeht, man weiß nicht genau, wann sich die Rasse entwickelte, es ist aber anzunehmen, dass durch die Entwicklung der Tierzucht ein schneller Hund mit kräftigem Knochenbau, der sich gegenüber Fremden misstrauisch war, herhalten musste. Für die Völker Asiens bedeuteten die Haustiere das größte Vermögen, die nur mit robusten und hartnäckigen Hunden verteidigt werden konnten. Diese Hunde waren sowohl in ihren inneren Eigenschaften als auch in ihrer äußeren Erscheinung unheimlich dem Kuvasz ähnlich, aufgrund dessen die gemeinsamen Vorfahren zu vermuten sind. Bei der Trennung der Urungarn in den finnischen und ugrischen Völkerstämme wurden noch keine Überreste von großwüchsigen Hirtenhunden, lediglich spitzartige Hundeüberreste gefunden, was ein Zeichen der primitiven Tierhaltung ist. Als Besonderheit muss erwähnt werden, dass weder unter den Rentiere züchtenden Samen noch den Mansen ein richtiger, auch gegen Raubtiere einsetzbarer Herdenschutzhund herausgebildet hat, der erfolgreich den Kampf gegen die Rentiere bedrohenden Tundrawölfe hätte aufnehmen können.

In der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung (vermutlich über altiranische oder alttürkische Vermittlung) lernt das ugrische Urvolk die Tierhaltung kennen, aber auch aus diesem Zeitalter haben wir keine Kenntnisse von großwüchsigen Hirtenhunden. Die aus der Einheit der ugrischen Völker ausscheidenden Urungarn kamen in der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung mit dem tschuwaschischen Volk türkischer Abstammung in Kontakt. Unsere Ahnen und das tschuwaschische Volk lebten beinahe Tausend Jahre nebeneinander. Vermutlich lernten wir von diesem Volk die weiter entwickelte Tierhaltung kennen, durch die die Verbreitung von Ziegen, Schafen und Rindern diesem Zeitalter zugeordnet werden kann. Natürlich konnten die Schäfer die Bewachung des großen Tierbestandes nicht mehr alleine bewältigen, sie benötigten die bei der Jagd eingesetzten, ausdauernden und zähen Hunde mit feinem Gespür. Es gibt Vermutungen, nach denen der Vorfahre des Kuvasz` durch diese Beziehung in unseren Besitz überging, und seine Bezeichnung auf den einmaligen Nachbar hindeutet.

Durch die Entwicklung unserer Tierzucht wurden wir immer mehr von der bewaldeten Umgebung verdrängt, wir trieben unsere Tiere auf grasige Ebenen mit Baumgruppen. Nachdem wir von den hier sesshaften türkischen Hirtenvölkern weitere Tricks gelernt hatten, gelang uns, eine weitere bedeutende Entwicklung in unserer Tierhaltungstechnik zu erlangen, so entstand auch unsere halbnomadische Tierhaltung, die wir bei der Völkerwanderung beibehalten hatten.

Während unseres Aufenthalts in Lebedia müssen unsere Ahnen die kuvaszartigen Vorfahren der Hirtenhunde gekannt und genutzt haben. Seine Anpassung wurde in dem vergrößerten Tierbestand und in den Anforderungen aus der nomadischen Tierhaltung begründet. Die für die Bewachung und Bändigung der offen gehaltenen Schafs-, Rinder- und Pferdebestände verantwortlichen Hunde waren geschätzte Partner der Hirten.
An dieser Stelle kann man die auf den vom Kaukasus, Süd-Ural und von den Karpaten umgebenden weitläufigen Steppen und in den Bergen entstandenen Hirtenhunde erwähnen. Die inneren und wenige Abweichungen aufweisenden äußeren Merkmale der in den selben Regionen herausgebildeten Hunderassen ähneln sich einander erstaunlich, sowohl der Kaukasischer Owtscharka, als auch der türkische Akbaş haben eine außerordentliche Ähnlichkeit mit dem Kuvasz, was auf einen gemeinsamen Vorfahren hindeutet. Das sind unbestechliche, extrem kräftige, zähe, unerschütterlich mutige, gegen Krankheiten widerstandsfähige und intelligente Hunderassen. Auch der Bewachungsstil dieser Rassen ist identisch, sie bewachen das ihnen anvertraute Vieh mehrmals umkreisend in regelmäßiger Bewegung.

 

 

In dieser Zeit schätzt man auch die Trennung vom Kuvasz und Komondor, die Bewachung von Schafen und Rindern erforderte nämlich einen unterschiedlichen Stil. Während Schafe langsamer grasen und unter sie mischend effektiver verteidigt werden können, spezialisierte sich der Komondor auf diese Tiere, erfordert von den Kuvaszok die Bewachung von Rindern und Pferden Schnelligkeit, sicheres und gnadenloses Auftreten, welche Bewachungseigenschaften diese Rasse bis zur heutigen Zeit beibehielt. Während der Wanderung der Urungarn nach Etelköz und anschließend ins Karpatenbecken vermehrte sich ihr Tierbestand, der sich nach einzelnen Forschern zur Zeit der Landnahme auf ca. 10 Millionen beläuft. Hierbei müssen zahlreiche Hirtenhunde dazugehört, und eine bedeutende Rolle in der Hundepopulation des Karpatenbeckens gehabt zu haben. Die im Karpatenbecken lebenden Slawen hielten überwiegend Schweine, die keine großwüchsigen Hirtenhunde erforderten. Aus rassenhistorischem Aspekt sind der Schädel und Knochen des 1978 in Fenékpuszta ausgegrabenen kuvaszähnlichen Hundes, dessen körperliche Merkmale mit den Besonderheiten des heutigen Kuvasz` übereinstimmten, einzigartig. Nach Dr. János Matolcsi, der den selbst in der Geschichte der Haustiere als Rarität zählenden Fund studierte, „..ist der betreffende Schädel der Beweis für den Vorfahren unseres Kuvasz` aus der Zeit der Landnahme”.

Den im Landwirtschaftlichen Museum von Budapest ausgestellten Knochen kann man entnehmen, dass nicht nur der Schädel, sondern auch die hinteren Extremitäten Verhältnisse aufzeigen, die denen der heutigen Kuvaszok ähneln. Die Bedeutung des Kuvasz` von Fenékpuszta ist auch in internationalen Verhältnissen einzigartig, es sind nämlich nur wenige Hunderassen, deren Vergangenheit 1100 Jahre zurückverfolgt werden kann.

 

2.    Blutauffrischung

Da es sicher ist, dass unsere Vorfahren zahlreiche kuvaszähnliche Hirtenhunde in das Karpatenbecken brachten, können wir davon ausgehen, dass die hier gefundenen Hirtenhunde keinen wichtigen Einfluss auf den Kuvasz hatten.

Auf jeden Fall muss man aber erwähnen, dass die nach der Landnahme nach Ungarn übersiedelten und später zu Ungarn gewordenen Nomadenstämme östlicher Herkunft (Jassen, Kumanen, Petschenegen) kuvaszähnliche Hirtenhunde mitgebracht haben können, die aus züchterischem Aspekt auf die Rasse einen positiven Einfluss hatten. Ebenso waren diese Hunde bei dem Kuvasz die letzten Blutauffrischungen, da in den nächsten Jahrhunderten keine weiteren nomadischen Völker mit Tierhaltung in das Karpatenbecken kamen. Unseres Wissens kamen auch später während der türkischen Besatzung keine kuvaszähnliche Akbaş, Karabaş oder Kangals, die einen Einfluss gehabt hätten, in das Karpatenbecken.

 

 

3.    Unterscheidung, Rassebeschreibung, die „Erkenntnisse“ von Géza Buzzi

Wie bereits erwähnt, bewachten der Komondor und der Kuvasz über Jahrhunderte die Tierbestände der Ungarn mit unterschiedlichen physischen und mentalen Talenten. Während der Komondor an den Schafsherden der Tiefebene Wachdienst hatte, wurde der Kuvasz vorwiegend mit der Bewachung der Haustiere der Berge und der Hügellandschaften beauftragt, welche Aufgabe mehr Beweglichkeit, Geschicklichkeit und Eigenständigkeit von dem Hund erfordert hat. Auf diese Weise wurde der Kuvasz hauptsächlich zum Wachhund der gegliederten Landschaften, wozu ihn seine entwickelte Muskulatur, sein Mut, die Dichte seines Fells und nicht zuletzt seine Intelligenz ihn geeignet machten.

Während der Jahrhunderte wurde der Kuvasz unter mehreren Bezeichnungen erwähnt, zum Beispiel als glattköpfiger Komondor, als seidenhaariger Wolfshund, als Bärenfänger (in Siebenbürgen, nach Zoltán Kenéz) oder einfach als Wolfshund, wodurch die Unterscheidung der zwei Rassen erschwert ist, da man nicht weiß, wann welche Rasse hinter dem Namen steckte. Dieser Gordische Knoten wurde von Géza Buzzi gelöst, indem er die Wachhunde vereinigt und die zwei Rassen getrennt hatte. Er war derjenige, der als Erster die Unterscheidungen bei den Rassen publizierte, womit er die ersten Rassenbeschreibungen schuf, die später von Dr. Emil Raitsits, Dr. Lajos Abonyi und Csaba Geyza Anghi überarbeitet wurden. So entstand die heutige Rassenbeschreibung des Kuvasz`.

Der treue, mutige und kompromisslose Kuvasz wurde ohne seine ursprüngliche Aufgabe zum unerschütterlichen Bewacher von landwirtschaftlichen Gebäuden, Fabriken, Werkgeländern, Wohnhäusern und Personen. Ihre Farbe ist weiß, seltener elfenbeinfarben, mit einer Widerristhöhe von 70 cm (die Hündinnen sind kleiner, die Rüden etwas größer) sein Kopf ist sehr attraktiv, er stahlt Kraft und Edelmut aus, sein Aufbau ermöglicht eine unglaubliche Leistungskraft. Zu seinem Herrchen und den Familienmitgliedern ist er treu und tolerant, auf der anderen Seite ist er aber Fremden gegenüber misstrauisch, ja sogar gefährlich, wenn jemand sich ihm mit bösen Absichten nähert. Er verteidigt die ihm anvertrauten Personen und Vermögensgegenstände selbst mit seinem Leben. Das typischste Merkmal des Kuvasz` ist sein Kopf, der keilförmig, trocken, weder grob noch fein ist, seine mandelförmigen Augen „lächeln”. Diese Eigenschaften unterscheiden ihn besonders von den verwandten Rassen.


4.    Ähnlichkeiten und Unterschiede der verwandten Rassen

Unter den verwandten Rassen unterscheiden wir zwei Gruppen. Einerseits handelt es sich hier um in der Erscheinung sehr ähnliche und in den inneren Werten beinahe identische Hunde, die aus der alten Urheimat stammen. Andererseits sprechen wir von Hunden, die aus den Kuvasz entwickelten, die nicht mehr im Karpatenbecken lebten.

Die Vertreter der ersten Gruppe sind - ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Akbaş, Karabaş, Estena (der Hund der Moldawen), der Kaukasische Owtscharka, diese Rassen habe ich bereits erwähnt.
Die zweite Gruppe ist umso interessanter, da diese Rassen die örtlichen Abarten sind. Es ist interessant, dass diese Rassen nur in weißer Farbe gezüchtet wurden, ihre Körperverhältnisse sind fast mit der des Kuvasz` identisch, die wichtigsten Unterschiede sind jedoch die Qualität des Fells und die Kopfform. Der slowakische Čuvač weist die meiste Ähnlichkeit mit dem Kuvasz auf, obwohl seine Widerristhöhe die kleinste unter den verwandten Rassen ist.

Der Hirtenhund aus dem Tatra ist unterschiedlicher, das zeigt sich an der sicheren Stopplinie des Kopfes, welche die Stirn sehr kräftig wirken lässt, sein Fell ist auch glatter und länger als bei dem Kuvasz. Der Cane da Pastore Maremmano-Abruzzese muss noch erwähnt werden, der sehr wahrscheinlich mit den zu den Schlachthöfen von Nord-Italien getriebenen ungarischen Graurindern in diese Region kam, indem er sie begleitete und bewachte. Nach anderen Expertenmeinungen ist er ein urtümlicher italienischer Hund, der bereits im antiken Rom existierte, seine außerordentliche Ähnlichkeit mit den aus Asien stammenden Hunden wird jedoch in Frage gestellt.



Die Anfänge und Schwierigkeiten der Sportzucht

 

1.    Erste Rassenbeschreibungen, der Anfang der Züchtung bis zum 2. Weltkrieg

Während der Jahrhunderte wurden unsere ungarischen großwüchsigen Hirtenhunde mannigfaltig erwähnt, der Komondor und der Kuvasz wurden aber immer wieder durcheinandergebracht. Viele erwähnten, dass wir über zwei hervorragende Wachhunde verfügen, aber diese zwei wurden von vielen verwechselt. Bis Ende des 19. Jh. wurde die (heftige Diskussionen auslösende) Rassenbeschreibung geklärt, die das erste Mal 1905 von Géza Buzzi veröffentlicht wurde. Damit wurde die Diskussion abgeschlossen, von nun an fing die ungarische Sportzucht an. Nach dem Friedensvertrag  von Trianon geriet der Großteil des Kuvaszbestandes außerhalb der Grenzen, was die ungarischen Züchter, die die Menge des Kuvaszbestandes steigern wollten, in eine schwierige Lage brachte.
Bis zu den 30er Jahren gelang ihnen dieses Unterfangen, und obwohl die Rasse sehr heterogen wurde, versuchten sie den Bestand mit aus Siebenbürgen bezogenen typischen Exemplaren zu verbessern. Bis zum Vorabend des 2. Weltkrieges ist es gelungen, einen grundsätzlich homogenen zahlenmäßig großen Bestand zu züchten, für den auch das Ausland Interesse zeigte. So kamen Kuvaszok nach Deutschland, Holland, Belgien und in die USA, wo sie bis zum heutigen Tage gezüchtet werden.

2.    Einer der Verlierer des Weltkrieges

Zu Beginn des 2. Weltkrieges befindet sich in Ungarn ein beachtlicher Kuvaszbestand, und infolge der Wiener Schiedssprüche kamen auch die Kuvaszok aus den wiedergewonnenen Gebieten nach Ungarn zurück.  Es gibt kaum schriftliche Überlieferungen darüber, ob zu dieser Zeit diese Hunde in die Zucht hineingenommen wurden, es ist aber nicht ausgeschlossen.
Die deutsche Besatzung sowie der Durchzug der Front hatten jedoch beinahe eine vernichtende Wirkung auf den Kuvaszbestand. Die furchtlosen mutigen Kuvaszok waren lebensbedrohliche Feinde der plündernden Soldaten, die auf der Suche nach Lebensmitteln waren. Sie konnten erst in die Gehöfte und Meierhöfe eindringen, nachdem sie die Hunde erschossen hatten. So wurde ein Großteil des Kuvaszbestandes zum Opfer der Waffen, es überlebten nur einige Exemplare verstreut im ganzen Land. Man weiß nicht, wie diese Exemplare in diesen stürmischen Zeiten durchkommen konnten. Ob die Bauern ihre Hunde bewusst gerettet hatten oder aber die Hunde nervenschwach und "feige” waren, weiß man nicht. Jedenfalls reduzierte sich die Anzahl der Kuvaszok von mehreren Tausend Exemplaren auf einige Dutzend. Meines Wissens erlitt keine andere Hunderasse so einen schweren Verlust.


3.    Neubeginn mit 5 Hunden

Die erste Erfassung des Bestandes widerspiegelt den Nachkriegszustand realistisch. Angeblich erwiesen sich im ganzen Land lediglich 5 Kuvaszok für die Zucht geeignet.  Auf der ersten Ausstellung nach dem Weltbrand bewertete als Richter einer der renommiertesten Fachmänner der Rasse Dr. Iván Márki. Nach seinen Erzählungen hatte er beinahe geweint, als er die Menge und Qualität der aufgeführten Kuvaszok sah.

Der erste Versuch, um die Rasse wieder auferstehen zu lassen, knüpft sich an den Namen von Csaba Anghi, der als Oberdirektor des Hauptstädtischen Tier- und Pflanzengartens die sogenannte „Zoozucht“ ins Leben rief. Der wahre Durchbruch ist aber Antal Kovács zu verdanken, der als Leiter des Gyapjúforgalmi Vállalat (Unternehmen für Baumwollvertrieb) die später weltberühmt gewordene „Gyapjús” Kuvasz-Zucht gründete. Um die Zucht aufleben zu lassen, bereisten sie das ganze Land, aber sie konnten nur 4 reinrassige Kuvaszok kaufen. Nach 3 Jahren harter Arbeit, und strenger Selektion der Welpen entstand der Stammbestand, auf den die Zucht aufgebaut werden konnte. Der berühmteste Deckrüde der Zucht hieß Gyapjús Morcos. Er hatte einen richtig typischen Kopf, gute Körperproportionen und ein ausgezeichnetes Temperament. Er hatte Fehler, die wir heute schwer tolerieren würden (Ohrenhaltung), aber für die damaligen Verhältnisse war er ein außerordentlich guter Kuvasz. Durch die Würfe in der Gyapjús Kuvasz-Zucht wurden die damals existierenden Zuchtstellen verbessert, eigentlich bilden die Nachkommen dieser Hunde die Grundlage der heutigen Kuvasz-Population.

 

 

 

4.    Diese wunderbaren 80-er

Nach ihrer Regenerierung konnte diese Rasse bis zu den 60er-70er Jahren wieder populär gemacht werden,  immer mehr Zuchtstellen, die die Voraussetzungen des qualitativen Züchtens schufen, wurden gegründet. Dies sollten wir in Anbetracht des Wachstums der Population und der Möglichkeit der Selektion deuten. Der Kuvaszbestand erreichte seinen wahren Höhepunkt (nach den Weltkriegen) in den 80er Jahren, als auf den einzelnen internationalen Ausstellungen bis zu 120-150 Hunde bewertet wurden.  
In Ungarn wurde es zum Kult, einen Kuvasz zu halten, er wurde zum zuverlässigen Bewacher vieler Familienhäuser. In diesen Jahren war er beliebt und respektiert und das galt nicht nur für den registrierten Bestand mit Ahnentafel. Es gab viele reinrassige Kuvaszok ohne Ahnentafel, die auf landwirtschaftlichen Geländern, in Fabriken und auf Privatgrundstücken Bewachungs- und Schutzaufgaben nachgingen, und damit ihre Ahnen würdevoll vertraten.

Leider wurden sie aber vielerorts an meterlangen Ketten, in engen Zwingern, unter unwürdigen Verhältnissen gehalten, was von den ehrgeizigen Hunden berechtigt schwer geduldet wurden. Dadurch kamen sie in Verruf, kein Mensch würde nämlich zugeben, wenn er seinem Hund was angetan hat. In vielen Ecken des Landes war auf einmal eine Anfrage nach Kuvaszok da, so dass infolge der Bevölkerungsdichte viele Kuvaszbesitzer von einer eigenen Zucht finanzielle Vorteile erhofften, ohne dabei die Herkunft der Tiere dabei zu berücksichtigen. So kamen durch die oft vorkommende Inzest öfters nervenschwache Kuvaszok in private Hände.

Es kam sehr wohl vor, dass die Exemplare mit Nervenproblemen ihre Herrchen angegriffen hatten. Man muss aber betonen, dass diese Tiere nicht aus dem streng selektierten Bestand mit Ahnentafeln entstammten! Bis zum Ende der 80er Jahre ist es zahlreichen Züchtern gelungen, durch Kompetenz und Erfahrung einen hochwertigen und homogenen Zuchttierbestand aufzubauen, dies hat den Besitzern der betroffenen Tiere viel Erfolg und Anerkennung eingebracht. In dieser Zeit wurden jährlich durchschnittlich 2000-2400 Welpen offiziell registriert, und somit wurde der stabile Genbestand aufrechterhalten.

5.    Tiefpunkt

Nach der Wende kamen auch auf dem Gebiet der Hundezucht große Veränderungen. Unzählige Modehunde kamen ins Land, wodurch die ungarischen ureingesessenen Rassen in den Hintergrund gedrängt wurden. Dies zeigt sich an der Menge der jährlich herausgestellten Stammbüchern: während in den Jahren 1988-89 über 2000 Kuvaszwelpen mit Stammbüchern registriert wurden, sank diese Zahl 2000 auf 276. Die unermessliche Gleichgültigkeit ist auf mehrere Gründe zurückzuführen; sehen wir uns ein paar genauer an.

In den 90er Jahren kamen infolge der Öffnung Richtung Westen zahlreiche Hunderassen, die für einen ähnlichen Einsatz wie der Kuvasz geeignet waren, in das Land. Obwohl ihre Beliebtheit innerhalb einiger Jahre nachgelassen hat, haben diese Rassen viele Züchter vom Kuvasz abgebracht. Leider nutzte ein Teil dieser Modehundezüchter jede Gelegenheit, um den Kuvasz unbegründet zu verleumden, um mehr Raum für diese Moderassen zu gewinnen. Keiner weiß warum, aber die damaligen Kuvaszzüchter hielten nicht zusammen, sie dementierten nicht die unbegründeten Vorwürfe und setzten sich nicht für den Kuvasz ein; dies war ein großer Fehler.
Der zweite Grund ist, dass in diesem Zeitraum leider die schmalwüchsigen und kleinköpfigen windhundartigen Hunde auf den Ausstellungen gewonnen hatten, sie kamen in die Best in Shows, was die Liebhaber und Züchter der robusteren Typen entmutigte.

Der dritte Grund ist, dass die große ältere Generation der Züchter nicht mehr aktiv war, sie hörten mit dem Züchten auf und aus obigen Gründen gab es wenig Nachwuchs.
Der drastische Rückgang der Zuchtstellen führte leider zur Verringung der Selektionsbasis, was auch die Möglichkeiten des Züchtens einschränkte. Wie unsere anderen wunderschönen Hirtenhunderassen, so büßen auch die Kuvaszok leider auch den Mangel des Identitätsbewusstseins der Ungarn ein.

 

6.     Aktueller Stand

Der Autor dieser Zeilen besuchte in den letzten 5 Jahren zahlreiche Ausstellungen, auf denen er Möglichkeit hatte, einen Teil der Zuchthunde Ungarns zu sehen. Aufgrund des Gesehenen kann man sagen, dass hinsichtlich der Qualität des Kuvaszbestandes eine Entwicklung zu verzeichnen ist. Auf der anderen Seite müsste die Anzahl der Zuchtstätten und der Population erhöht werden. Es ist erfreulich, dass neben den kennengelernten Hundesportlern immer mehrere Sympathisanten oder zukünftige Züchter erscheinen.

Ebenso kann man feststellen, dass die Nachfrage nach dem robusteren und kompakteren bergigen Kuvasztyp wächst,  im Vergleich zu dem schlanken und flinkeren Typ der Tiefebene. Es ist eine Ansichtssache der Richter, die geklärt werden muss. Es stellt aber ein Problem dar, die richtigen Zuchtpaare zu bilden, weil es an Exemplaren mangelt, die korrekt aufgebaut sind und typische Rasse- und Geschlechtsmerkmale haben. Der Verwandtschaftsgrad dieser Hunde ist ein weiterer Grund zum Besorgnis. Die kleine Anzahl der Zuchttiere projektiert ein wenig erfreuliches Zukunftsbild der Rasse.

 

Quo vadis Kuvasz?

 

1. Sport-, Arbeits- oder Familienhund?

Die Frage ist gut, sehr gut sogar, der Kuvasz ist nämlich seit Jahrhunderten ein Schutzhund, der nicht nur den Schäfer, sondern auch dessen Familie beschützt hat, deswegen bedarf er als Arbeitshund keiner besonderen Schutzausbildung, die Schutzarbeit steckt in seinen Genen. Darum kann er bei Familienhäusern auch als Familienhund in Frage kommen, er braucht aber seinen Lebensraum. Ein gut sozialisierter Kuvasz ist Kindern gegenüber ausgesprochen tolerant. Bei uns spielte mein damals dreijähriger Sohn stundenlang in der Hundehütte mit dem Hund, der einfach weiterzog, wenn er genug hatte.

Der Kuvasz eignet sich auch als Sporthund, viele Rassenvertreter stellten ihre Fähigkeiten in der Hundeschule unter Beweis. Der Kuvasz ist jedoch empfindlich, wenn es um die Beziehung zu seinem Herrchen geht, er mag keine preußischen Ausbildungsmaßnahmen, aber wenn man auf der gleichen Wellenlänge mit seinem Hund ist, kann er beachtliche Erfolge erzielen.

Einst hat auch die ungarische Polizei und Grenzpolizei u.a. Kuvaszok eingesetzt, aber da sie Ein-Mann-Hunde sind, und den Besitzerwechsel nicht so einfach hinnehmen, gewann der Deutsche Schäferhund eine höhere Priorität. Außerdem war bei dieser Art von Arbeit die weiße Farbe störend. Der gut sozialisierte und gehaltene Kuvasz ist ein hingebungsvoller und treuer Partner seines Herrchens. Er bewacht und verteidigt die ihm anvertrauten Reviere und Personen mutig und furchtlos. Als Sporthund würde er außerdem vielen Jugendlichen Freude bereiten, wenn seine physischen und geistigen Fähigkeiten erkannt und genutzt wären.

 

2. Mögliche Richtlinien der Bekanntmachung

Die Geschichte des Kuvasz` ist genauso alt wie die der durch die Landnahme eingesiedelten Ungarn, daher müssen wir uns dafür einsetzen, dass auch die Nachwelt die Chance hat, unseren wunderschönen altertümlichen Hirtenhund kennen zu lernen. Hierbei tragen die Kuvaszzüchter den Löwenanteil der Aufgabe,  sie müssen die Rasse bekannt machen und aufrechterhalten, aber selbst die Aufrechterhaltung stößt langsam auf Schwierigkeiten. Es ist schwierig, ein geeignetes Zuchttier zu finden, eins mit einer fremden Blutlinie, es ist  ausgesprochen problematisch. Darum wäre es an der Zeit, in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft den Kuvasz populärer zu machen, die freiwillige, aufopfernde Arbeit einzelner Züchter ist nämlich zu wenig. Es müssen mit den Züchtern und Zuchtvereinen der anderen ungarischen Hunderassen Möglichkeiten gefunden werden, damit wir in das allgemeine Bewusstsein bringen, dass es auch Hunde ungarischer Herkunft existieren. Der eine ist schöner als der andere, sie sind sogar bildschön! Wo ist unsere Identität? Was sollen wir tun? Sollten wir vielleicht als eine Organisation in ihrem Interesse auftreten, weil der ungarische Staat sie zum „Nationalschätzen” (2004/32 OGYI határozat) erklärt hat? Wir könnten vielleicht ein staatliches Förderprogramm in Anspruch nehmen. Diese Unterstützung muss nicht finanzieller Art sein, es könnte ein Kurzfilm auf staatlichen oder privaten Sendern sein, der die ungarischen Rassen präsentiert. Wir sollen unsere Werte nicht erst erkennen, wenn man kaum etwas für sie tun kann. Es ist eine nette Geste, sie Hungarikum zu nennen… und was tun weiter für sie?

Gleichzeitig gibt es auch andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel die aus ungarischen Rassen bestehende Gruppe, die Geschicklichkeitsaufgaben vorführt, und wo sie nur auftritt, einen riesigen Beifall erntet. Natürlich auf eigene Kosten einiger „Verrückten”, die es aus Hobby machen! Aufwachen! Wir sind zu wenige!

Wie viel besser sind die von Sicherheitsdiensten eingesetzten Rottweiler und Dobermänner, als ein Kuvasz oder Komondor? Warum muss man diese Rassen präferieren, wenn die ungarischen Hirtenhunde kein bisschen schlechter abschneiden? Ihre Farbe sollte auch kein Hindernis sein, weil die bewachten Areale eindeutig gekennzeichnet sind, dass sie von Hunden bewacht werden. Wenn jemand trotzdem hineinwagt, dem soll egal sein, welche Farbe der Hund hat, der ihn an seiner bösen Absicht hindert.Ich kann ebenso wenig verstehen, warum Landwirte keinen Kuvasz oder Komondor halten, um ihre teuren Maschinen und Ernte zu bewachen.

 

An vielen landwirtschaftlichen Anlagen werden diverse Hunde gehalten, und dann ärgern sie sich, wenn etwas abhandenkommt. Ein stabiler Zaun, zwei Kuvaszok auf das Grundstück und das Problem erübrigt sich!

Ich kann ebenso nicht verstehen, warum sich der ungarische Staat nicht auf die Fähigkeiten des Kuvasz verlässt, aber die Wertgegenstände des spanischen Königshofs von Kuvaszok bewacht wird. Weil es ungarisch ist? Weil es eine Rasse unserer Nation ist? Viele Länder wären imstande, ihn zu schätzen, wobei er den Ruf unserer nationalen 1100jährigen Tierzuchtkultur bildet. Oder warum müssen die Wohlhabenden ihre millionenschwere Immobilien von fremden, abgerichteten Hunden beschützen lassen, warum benutzen sie dafür keinen Kuvasz oder Komondor, wodurch sie auch ihre ungarische Herkunft und nationale Zugehörigkeit bezeugen könnten.

Man könnte noch zahlreiche Fragen stellen, aber es hat leider wenig Sinn.

Eins steht aber fest: man muss die ungarischen Hunderassen präsent machen, weil die Zeit kommen kann, dass sie ganz von unserer Seite verschwinden, wenn wir nichts unternehmen.

Die aktuelle Tendenz zeigt in diese Richtung. Wer trägt die Verantwortung? Wir?

 

 


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